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Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – diese Elemente können deine Ernährung beeinflussen

Es gibt so viele Ernährungsformen wie Sand am Meer. Jeder Mensch wird in seinem Leben mindestens einmal mit diesem Thema konfrontiert. Sei es um mit der Ernährung Gewicht zu reduzieren, das Wohlbefinden zu verbessern oder um unterschiedlichste Krankheitssymptome zu lindern.

Was haben nun Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser mit der Ernährung zu tun? Die Ernährung nach den fünf Elementen verbindet Teile der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) mit der in den westlichen Ländern üblichen Ernährungsform.

Vor einigen Tagen konnte ich Mina Bierbaum, eine TCM-Ernährungsberaterin interviewen. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien, wo sich auch ihre TCM-Praxis befindet. Hier kann ich nun den sehr informativen und interessanten Beitrag mit euch teilen. Viel Spaß beim Lesen und bei Fragen könnt ihr euch gerne auch direkt an Mina wenden. Übrigens: Ganz viele tolle Rezepte findet ihr auf ihrer Homepage: www.tcm-mina.at

Hier das Interview mit Mina Bierbaum:

Melanie von der Naturlounge: Liebe Mina, gewährst du uns einen kurzen Einblick in die Welt der 5 Elemente-Ernährung?

Mina: Die TCM-Ernährung basiert auf der thermischen Wirkung der Lebensmittel: kalt, kühlend, neutral, wärmend und heiß und auf die 5 Geschmäcker: süß, scharf, salzig, sauer und bitter. Zum Beispiel baut „süß“ die Lebensenergie (Qi) auf, es entspannt und nährt den Körper. Je nachdem welches Ungleichgewicht im Körper herrscht, orientiert man sich bei der Ernährung nach der Thermik und nach dem Geschmack. Das Ziel bei TCM ist eine Ernährungsform, welche Krankheiten vorbeugt oder auch ein bereits vorhandenes Ungleichgewicht wiederherstellt.

Melanie von der Naturlounge: Was ist deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen der westlichen und der TCM Ernährung?

Mina: In der westlichen Ernährung gibt es eine allgemein empfohlene Ernährung. Hier spielt zum Beispiel die Ernährungspyramide eine große Rolle, wonach sich alle Menschen gleich orientieren sollen. In der TCM-Ernährung gibt es das nicht. Es werden keine allgemeinen Empfehlungen ermittelt. Hier wird der Mensch ganzheitlich betrachtet.

Neben der Thermik der Lebensmittel, der Geschmäcker, der Kräuter und Gewürze spielt auch das aktuelle Leben eine bedeutende Rolle. Auch den Lebensumständen, den Krankheiten oder auch der Jahreszeit wird Bedeutung geschenkt. Mit saisonalen und regionalen Lebensmittel können ohne viel Aufwand Beschwerden positiv beeinflusst werden. Außerdem richtet sich bei der Traditionellen Chinesischen Medizin der Blick auf Körper, Geist und Seele. Nicht nur die Symptome werden behandelt, sondern man ergründet auch die Wurzel der Beschwerde, die Ursache.

Melanie von der Naturlounge: Welche Lebensmittel sind laut der TCM-Ernährungslehre im Frühling, Sommer, Herbst und Winter besonders geeignet, um den Körper optimal versorgen zu können?

Mina: Grundsätzlich kann man sich an den saisonalen und regionalen Lebensmitteln, die bei uns wachsen, orientieren. In den Sommermonaten wird eher die kühlende Wirkung der Lebensmittel bevorzugt. Im Winter die wärmenden Lebensmittel. Doch die Grundkonstitution darf dabei nie außer Acht gelassen werden. Schließlich wird ein Mensch, der zum Frieren neigt, kühlende Lebensmittel auch im Sommer eher nicht vertragen. Eine individuelle, auf jeden persönlich abgestimmte Ernährung ist immer unumgänglich damit sich Körper, Geist und Seele wohlfühlen.

Melanie von der Naturlounge: Für wen ist die 5 Elemente-Ernährung grundsätzlich eine sinnvolle Alternative?

Mina: Für alle Menschen, die sich bewusst ernähren und ihre Gesundheit ins Gleichgewicht bringen möchten. Viele Beschwerden wie zum Beispiel Verdauungsprobleme, Müdigkeit oder auch Schlafstörungen lassen sich positiv beeinflussen. Auch das Immunsystem kann mit der TCM gestärkt werden. Die ganze Familie profitiert von dieser Ernährungsform.

Melanie von der Naturlounge: Apropos Familie – Wie kommen Kinder mit der TCM-Ernährung zurecht, und was muss dabei unbedingt beachtet werden?

Mina: Grundsätzlich sollten Kinder bei der Ernährung immer miteinbezogen werden. Auch die Vorbildwirkung spielt eine bedeutende Rolle. Es bringt nichts, wenn das Kind beispielsweise keine Champignons mag, und ständig davon überzeugt werden soll, diese zu essen. Ebenso wenig ist es sinnvoll, wenn ich meinem Kind erkläre, „das Frühstück ist besonders wichtig“, und selbst nur schnell einen Kaffee schlürfe. Besonders wertvoll ist es, gemeinsam Rezepte zu suchen, und die Kinder auch entscheiden zu lassen. Dann schmeckt es gleich nochmal so gut.

Kinder durchleben erfahrungsgemäß gewisse Phasen. Mein Sohn beispielsweise hatte eine Palatschinken-Phase, in der er nur Palatschinken wollte. Hier hilft nur Geduld. Alle Phasen vergehen und heute isst er genauso Haferflocken mit Apfelmus zum Frühstück.

Melanie von der Naturlounge: Wie startest du in den Tag mit der TCM-Ernährung?

Mina: Da ich ein Eiweiß-Typ bin, esse ich am liebsten Eierspeise mit Gemüse. Genauso gut schmeckt mir eine Kombination aus Getreide, Obstkompott oder Obstmus die mit ein paar Kokosflocken verfeinert werden. Außerdem wärme ich auch gerne das Essen vom Vortag auf. Denn in der TCM-Ernährung darf es auch mal schnell und einfach gehen.

Frühstücksbeispiel von Mina Bierbaum – Ernährungberaterin nach der TCM

Melanie von der Naturlounge: Hättest du einen Tipp, wie man sich in stressigen Zeiten mit Hilfe der TCM ernähren kann? Vielleicht hast du ein tolles Rezept für eine Speise, die sich Berufstägige mit in die Arbeit nehmen können?

Mina: Für stressige Tage koche ich zum Beispiel Eintöpfe oder Suppen vor. Diese Gerichte lassen sich am nächsten Tag einfach erwärmen. Aber bitte nicht in der Mikrowelle! In Thermobehälter abgefüllt sind diese Speisen eine wohltuende Mahlzeit während der Arbeit. Ein Tipp: Zutaten wie Reis, Kidney Bohnen, Linsen, Kichererbsen und Gemüsesorten, die sich lange frisch halten wie Kartoffel, Karotten oder Sellerie immer auf Vorrat kaufen. So erspart man sich den täglichen Einkauf und hat immer tolle Zutaten für ein gesundes Menü zu Hause.

Ein tolles, schnell gezaubertes Gericht nach der Arbeit: Gemüse nach Wahl, wie zum Beispiel (Süß-)-Kartoffel, Karotten, Zucchini, Champignons waschen, klein schneiden, mit etwas Öl bestreichen und gemeinsam mit Hühnerkeulen im Ofen garen. Schnell, einfach und gut.

Melanie von der Naturlounge: Wie bist du zu der TCM gekommen? Was waren deine Beweggründe, eine TCM-Ausbildung zu starten?

Mina: Als ich die Diagnose Muskelerkrankung bekam, und mir die Schulmedizin nicht weiterhelfen konnte, suchte ich nach alternativer Medizin. Die TCM-Ernährung und die Akupunktur haben mir sprichwörtlich „das Leben gerettet“. Viele Beschwerden konnte ich verbessern oder sogar hinter mir lassen.

Dies gab mir die Kraft und den Mut für den nächsten Schritt. Die TCM-Ausbildung bei der Apfelbaum Akademie von und mit Alexandra Rampitsch, die ich im Jahr 2019 erfolgreich abschließen konnte.

Melanie von der Naturlounge: Welche Beratungen bietest du in deiner Praxis an? Mit welchen Wünschen/Symptomen kommen deine Klienten auf dich zu? Vielleicht hast du auch eine Erfolgsgeschichte aus deine Praxiserfahrung, die du mit uns teilen möchtest?

Mina: Ich biete meinen Klienten eine persönliche Beratung an, sowohl bei mir in der Praxis, als auch als Video-Telefonie. Die Symptome und Wünsche sind ganz unterschiedlich. Oft kommen Menschen auf mich zu, die „westlich“ schon viel probiert haben, jedoch ihr Problem damit nicht langfristig lösen konnten. Verdauungsprobleme, Migräne, Menstruationsbeschwerden, Müdigkeit, Heißhungerattacken oder Immunsystem-Schwächung sind typische Beschwerden, bei denen mich Klienten kontaktieren.

Eine Dame kam mit Dauermüdigkeit und frustrierenden Heißhungerattacken in meine Praxis. Durch die Ernährungsumstellung verspürte sie mehr Energie im Alltag. Die Heißhungerattacken verschwanden und gleichzeitig verbesserte sich ihre Gesundheit, sie war viel weniger krank als vor der Umstellung.

Melanie von der Naturlounge: Möchtest du uns noch etwas mit auf den Weg geben?

Mina: Ich finde das Zitat „Du bist was du isst.“ von Ludwig Feuerbach bringt es auf den Punkt. Vielleicht konnte ich den einen oder anderen dazu ermutigen, etwas Neues auszuprobieren.

Danke liebe Mina für das tolle Interview!

Für alle, die das hier gelesene Thema gerne bei einem Koch-Workshop vertiefen möchten, hat hier die Chance dazu: